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Opel Ampera-e: Gebaut für die Zukunft


Der neue Opel Ampera-e soll als reines Elektroauto mit einer Reichweite von über 500 Kilometer ein neues Zeitalter einläuten. Die ersten Fahreindrücke überzeugen.

Hier wurden der Öffentlichkeit schon viele neue Produkte vorgestellt, die später ihre Branche massgeblich verändern sollten. Bis heute zählt das iPhone von Apple wohl zu den berühmtesten Teilen, welche aus dem Technologie-Mekka Silicon Valley südlich von San Francisco ihren Siegeszug rund um die Welt antraten. Und nun setzt der Ampera-e an gleicher Stelle zur Revolution an? Folgt mit ihm das erste Elektroauto, welches laut Opel mit einer Reichweite von 520 Kilometer (nach NEFZ) alle Konkurrenten in den Schatten stellt und den E-Antrieb ohne Reichweitenangst und zu erschwinglichen Preisen alltagstauglicher macht als alle anderen zuvor? Auf jeden Fall hätten Opel sicherlich nichts dagegen, wenn sich die Innovations-Aura des Silicon Valleys auch auf ihr neustes Baby abfärben würde, das vom Mutterkonzern General Motors in den USA produziert wird und im lokalen Markt demnächst als Chevrolet Bolt auf die Strassen rollt.

Vier Rekuperationsstufen Die kalifornische Sonne meint es heute am blauen Himmel jedenfalls schon mal gut mit dem Ampera-e. Der stromverbrauchende Scheibenwischer-Einsatz ist bei der bevorstehenden Ausfahrt ausgeschlossen. Vor uns steht eine rund 150 Kilometer lange Strecke quer durch San Francisco. In der hügeligen Landschaft der Bay-Area wollen wir dem Ampera-e quasi auf die Batterien fühlen. Sprich: Um im Stromer einen realen Alltagsgebrauch zu simulieren, fahren wir zu Dritt, lassen die Klimaanlage während beinahe der ganzen Fahrt laufen, haben morgens über längere Zeit die Lichter eingestellt und treten zwischendurch auch mal tüchtig aufs Fahrpedal. Vor dem Start macht Ralf Hannappel, Direktor Elektrifizierung bei Opel, auf einige Besonderheiten des Ampera-e aufmerksam, die es besonders zu beachten gilt: «Das Fahrzeug verfügt über vier Rekuperationsstufen, die sich manuell über die Lenkradwippe einstellen lassen. Im normalen Fahrbetrieb empfehlen wir aber die Einstellung D für die Landstrasse und Autobahn oder die Einstellung L für die Fahrt in der City oder bergab. Letztere verzögert stärker und bremst bis zum kompletten Stillstand ab. Und falls Sie beim Losfahren akkustisch ein schleifendes Geräusch wahrnehmen, ist das kein Defekt, sondern der Fussgänger-Warnton im Hochfrequenzbereich, der in den USA vorgeschrieben ist, sich aber in Europa abstellen lässt.»

380 km realitätsnahe Reichweite Optisch und bezüglich seinem Innenraumambiente vermag der Ampera-e zu gefallen. Auch wenn das zweifarbig gestaltete Cockpit gewöhnungsbedürftig erscheint, machen der grosse 10-Zoll-Bildschirm in der Mittelkonsole und die gute Kopf- und Beinfreiheit auf alle Plätzen gute Laune. Weil die Lithium-Ionen-Batterien als stabilisierende Einheit komplett in den flachen Fahrzeugboden eingearbeitet wurden, stören sich auch die Füsse an keinem Hindernis. «Zudem verstärken die Akkus die Verwindungssteifigkeit des Chassis um über 25 Prozent und setzen mit ihrem Gewicht von rund 430 Kilogramm den Fahrzeugschwerpunkt tief», erläutert Ralf Hannappel weitere Vorzüge der Bauart. Die wollen wir nun gleich erfahren. Bevor es aber losgeht, schaut man nach dem Drücken des Startknopfes erst einmal verwundert aufs digitale Zentraldisplay: Dort stehen bei voller Batterieladung keine 520 Kilometer Maximalreichweite wie angegeben, sondern «nur» deren 434 Kilometer. Auch dafür hält der Elektrifizierungs-Spezialist eine Erklärung bereit: «Das Display zeigt immer die effektiv erreichbare Maximalreichweite an, die sich aufgrund der vorangegangenen Fahrten und durchschnittlichen Verbrauchswerte berechnet.» Diese Angabe liegt denn auch näher an den Verbrauchsangaben im WLTP-Fahrzyklus, der beim Ampera-e bei über 380 Kilometer liegen soll.

Straff und sparsam Während den ersten kurvigen und hügeligen Kilometer vom Silicon Valley rüber an die Pazifikküste punktet der 1,7 Tonnen schwere Ampera-e besonders mit seiner guten Strassenlage und einer angenehm straffen Federung sowie durch seine Laufruhe, was ihn auch für Langstreckenfahrten auszeichnet. Später im Stadtverkehr lässt er sich dann bequem mit «One-Paddel-Driving», also im stark bremsenden L-Modus fahren, die Betätigung des Bremspedals wird dabei grössenteils unnötig. Dass der an sich übersichtliche Ampera-e in den Strassen von San Francisco mit seinen Warnsystemen bei Ausfahrten und unübersichtlichen Situationen vor nahendem Verkehr oder auch vor Fussgängern warnt, nimmt man auf der leicht erhöhten Sitzposition am Steuer dankend zur Kenntnis. So rollt man entspannt ins Ziel – und freut sich an den Zahlen, die im Display aufleuchten: Nach insgesamt 155 gefahrenen Kilometern zeigt die Anzeige einen Stromverbrauch von 25 kWh und eine verbleibende Reichweite von immer noch 250 Kilometer an. So macht Elektroauto ohne Reichweitenangst Spass. Mitbewerber wie der BMW i3, VW eGolf, Nissan Leaf oder Renault Zoë werden sich ab Ende Jahr warm anziehen müssen, wollen sie gegen diesen Opel Ampera-e bestehen – wenn dessen Preis konkurrenzfähig sein wird. Aber wie das Silicon-Valley-Beispiel iPhone zeigt: Für ein überzeugendes Produkt ist der Kunde bereit, beinahe jeden Preis zu bezahlen.

Technische Daten Opel Ampera-e:

Kategorie: 4-türiges Elektroauto mit 5 Sitzen.

Masse: Länge 4166 mm, Breite 1760 mm, Höhe 1610 mm.

Kofferraum: 381 bis 1274 Liter.

Motor: E-Motor mit 204 PS (150 kW).

Batterie: 288 Lithium-Ionen-Zellen mit 60 kWh

Fahrleistung: 0 bis 100 km/h in 7,3 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit von 150 km/h.

Reichweite: 520 km nach NEFZ / 380 km nach WLTP (offizielle Werksangaben).

Preis: noch unbekannt.

(Erschienen im Tages-Anzeiger, am 25.02.2017)

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